Eigentlich Halbzeit 😥

Eigentlich wollte ich an 20+0 ein Update zu meiner Schwangerschaft schreiben. Wie wunderbar und komplikationslos sie verläuft und wie prächtig sich unser Wunder entwickelt. Wie ihre zarten Tritte immer häufiger und stärker werden. Wie sehr wir uns auf unser kleines Wesen freuen und wir so unendlich glücklich sind eine ganz normale Schwangerschaft zu erleben. Alle Untersuchungen waren sehr gut und es gab rein gar nichts was uns Sorgen bereitete. Der Bauch wuchs und mit ihm die Hüften, die Schenkel und das Doppelkinn. Aber was soll’s, Hauptsache das Baby ist gesund. Die wichtigsten und größten Besorgungen haben wir auch schon zuhause. Nur ein größeres Auto sollte noch her, damit mit dem Doppelkinderwagen auch noch andere Dinge im Kofferraum Platz haben. Leider kann großes Glück schnell zerstört werden. Wir waren im Urlaub bei meinen Eltern in Süditalien. Alles war wunderbar und auch unser kleiner Mann hatte viel Freude im Plantschbecken und abends am Meer. Mir ging es auch gut, war aber froh als die ganz heißen Tage endlich vorbei waren und es etwas abgekühlt hat. Allerdings wurde ich etwas schlapp und wollte kaum aus dem Bett raus. Ich dachte evtl werde ich krank. Wenn der Mann da ist und die Eltern im Haus dann ist krank sein als Mama eigentlich kein Problem, da genug Unterstützung da war und sich die Großeltern sowieso ständig auf den kleinen gestürzt haben. 


SCHWANGERE UND FRAUEN DIE BALD SCHWANGER WERDEN WOLLEN, BITTE ICH HIER NICHT MEHR WEITER ZU LESEN. GENIESST EUER GLÜCK UND VERTRAUT EUREM KÖRPER. BESCHÄFTIGT EUCH MIT POSITIVEN DINGEN. DANKE
Am 14.8 hatte ich ein seltsames Gefühl und musste ständig auf Toilette. Außerdem war immer wieder mal das Höschen bisschen nass. Ich war mir sicher dass es kein Pipi war. Ich wollte schon packen und nach Hause fahren. Mein Mann und ich beschlossen aber ins Krankenhaus im Nachbarsort kurz nachschauen zu lassen. Nachdem wir 3 Stunden in der Ambulanz an der Anmeldung warten mussten (armer Bub, ihm war stinklangweilig) durften wir dann hoch in die Gyn. Eine Ärztin stand grad noch im Gang (eigentlich auf dem Weg in den Op wg. Sectio) aber sie meinte ich dürfe schnell rein kommen. Ich schilderte mein Problem so gut ich konnte, dann sollte ich schnell auf Toilette gehen und rauf auf den Stuhl. Sie schallte den Bauch und meinte tatsächlich „nein, da ist nichts. Da ist genug Fruchtwasser. Schauen sie, das schwarze ist alles Fruchtwasser.“ Ich fing an zu heulen und sagte dass da etwas nicht stimmt und immer etwas rauskommt. „Ja, das wird Pipi sein. Wahrscheinlich haben sie eine Blasenentzündung“ ich sagte ihr dass ich sicher bin dass es kein Pipi ist. Sie machte dann noch einen Test mit einer Art Spekulum mit Löffel, bei dem ich Husten sollte. Da war sie sich dann nicht mehr ganz so sicher und sagte dass ich ja hier bleiben könne und wir dann immer wieder mal einen Ultraschall machen um zu schauen was passiert. Ich war entsetzt und wollte einfach so schnell wie möglich raus aus dem KH und schnell nach Deutschland zu vernünftigen Ärzten in einem nicht so abgeranzten Krankenhaus . Es wurde kein Blut abgenommen und auch kein Urin getestet. Ich wusste dass etwas nicht stimmt, und ich wusste auch dass ich mein Baby auf gar keinen Fall hier in diesem Krankenhaus sterben lassen werde. 


Wir fuhren in die Ferienwohnung meiner Eltern , legten uns etwas nieder um für die lange Heimfahrt fit zu sein. Dann packte mein Mann alle Dinge ein und lud das Auto ein. Obwohl kein Wasser mehr auslief und ich keine Schmerzen oder sonstiges hatte trieb ich ihn etwas an und wollte dass er sich etwas beeilt. 

Dann ging’s auch los. Anfangs war ich mir noch sicher dass wir die lange Fahrt bis nach Deutschland überstehen werden und ich sie dort zur Welt bringen kann. Aber nach schon 1,5/2 Stunden bekam ich Wehen. Ich dachte anfangs gar nicht daran dass es Wehen sein könnten. Aber sie kamen regelmäßig, sehr regelmäßig. Meine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Zu meinen Mann sagte ich, dass wir eine Großstadt brauchen und ich auf gar keinen Fall in so ein Dorfkrankenhaus gehen möchte. Lieber entbinde ich im Auto. Also fuhr der Arme weiter. Unser Kleiner schlief friedlich auf der Rückbank. Kurz vor Rom wurde mir so schlecht dass wir am Seitenstreifen anhalten mussten und ich mich übergeben musste. Bei der nächsten Ausfahrt fuhren wir raus und gaben ein Krankenhaus in Google Maps ein. Leider führte es uns ständig im Kreis. Meine Wehen kamen alle zwei Minuten und ich bekam Angst. Wir fuhren einen Parkplatz an und riefen den Krankenwagen. In dem Moment knallte es in meinem Körper und die Fruchtblase war völlig zerstört. Es kam nicht nur Fruchtwasser sondern auch Blut. Es dauerte nicht lange und der Krankenwagen war da. 

Die Sanitäter waren sehr nett. Mein Mann fuhr mit Warnblinker hinterher. Sie fuhren nicht das nächstgelegene Krankenhaus an sondern das bessere. Angekommen, ging’s von der Trage auf einen Rollstuhl und ab da würde es so blutig. Weinend, schluchzend und wie ein Häufchen Elend saß ich auf dem Stuhl und wurde in den Warteraum der Ambulanz geschoben. In dem Moment schoss das Blut nur so aus mir heraus und lief sturzbachartig den Stuhl herunter. Die Mitpatienten riefen ganz laut dass ganz schnell jemand kommen muss weil die Frau am verbluten ist. Es war wirklich schlimm. So viel Blut. So viel. 

Sofort wurde ich weitergerollt und ins Arztzimmer gebracht. Irgendwie hievte ich mich auf den Stuhl und es wurde geschallt. Mir war schon klar was ich jetzt zu sehen bekam. Das Herz schlug nicht mehr und auch sonst war alles zusammengefallen. Der Arzt suchte und bemühte sich noch einen Herzschlag zu finden, aber da war einfach nichts. Das Blut ließ sich kaum stoppen. Ich muss sagen dass dort ALLE wirklich sehr nett mit mir waren und ich wirklich froh war nicht mehr in dem anderen Krankenhaus zu sein. Sie machten ein EKG, nahmen Blut ab, hingen mir Infusionen hin und irgendwann kam endlich mein Mann, der tatsächlich mit Leo zu mir ins Arztzimmer durfte. Ich war froh dass er da war und nach dem ganzen Blut dass im Zimmer verteilt war brauchten wir ihm nicht mehr viel sagen. Der Arzt schallte nochmal um ihm auch nochmal zu zeigen dass das Baby jetzt geholt werden muss weil das Herz aufgehört hat zu schlagen. 

Wir mussten einiges unterschreiben und wurden dann in Richtung Kreißsaal gebracht. Hier musste ich alleine rein, weil Leo nicht mit durfte. (Uns wurde angeboten ihn auf der Kinderstation aufzunehmen damit ich nicht alleine bin, aber an wildfremde Personen hätten wir ihn niemals abgegeben.) 

Im Kreißsaal waren sie auch sehr lieb und trösteten mich. Ich musste noch warten bis die Anästhesistin kam. Ich sollte eine Spinalanästhesie bekommen damit sie mir mein Baby rausdrücken können und anschließend sollte ich ausgeschabt werden. Viel bekam ich nicht mit, weil ich immerzu geweint habe. Ich hab wohl zu viel geweint, da ich noch etwas zum Schlafen bekommen habe. Das letzte Mal als ich auf die Uhr schaute war es 1.59Uhr. Aufgewacht bin ich im kalten Gang um ca. 2.30Uhr. Aus zwei Kreißsälen hörte ich Frauen ihre Babys bekommen und ich lag zitternd und alleine mit leerem Bauch und rausgerissenem Herzen im Gang. Es fühlte sich nach einer Ewigkeit an bis jemand kam. Ich fragte ob ich mein Baby sehen darf, aber wurde abgewiesen. Wenn dann nur im Beisein meines Mannes. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht dass sich meine Mama auf den Weg nach Rom gemacht hat um uns Leo abzunehmen, und wurde richtig panisch da ich wusste dass mein Mann mit meinem großen Baby nicht rein darf und ich ohne Mann mein kleines Baby nicht sehen darf. 

Ich wurde aufgeklärt dass die nonna da ist und sie meinen Mann holen sobald es bei den Geburten, die gerade sind, möglich ist. Für mich fühlte es sich nach etlichen Stunden an, tatsächlich war es wohl „nur“ eine. Als er endlich kam wurde nochmals gefragt ob wir sie wirklich sehen wollen. Ich befürchtete das Schlimmste, wollte aber natürlich mein Mädchen sehen. Als sie uns gebracht wurde sah ich ein wunderbares, hübsches viel zu kleines Mädchen. Sie war blau und kalt, aber ganz zauberhaft. Sie zeigten uns nur ihr Köpfchen und ein bisschen lugten die kleinen Fingerchen aus der Decke heraus. Wir machten ein paar Fotos von ihr und verabschiedeten uns. Außerdem gaben wir ihr den Namen Nina Alessia. Dann wurde sie wieder weggebracht. Mein Mann und ich weinten und umarmten uns. 

Die Plazenta sollte eingeschickt werden und anfangs stimmten wir auch einer Obduktion zu, diese haben wir allerdings widerrufen, da wir sicher sind dass sie gesund ist. Das einzige Problem ist mein verdammter Körper! Niemals wird er krank, nur wenn ein Baby in mir ist lässt er verdammten Keimen den Zutritt. Ich bin so wütend! Und sauer! 

Meinen Mann schickte ich dann hinaus, weil ich wollte dass er endlich ein Hotel für sich und Leo und natürlich meine Mama sucht. Es war schon fast 5.00. 

Die Ärztin und Hebamme kamen nochmal zu mir und bestätigten, dass die Entzündung wohl schon so weit fortgeschritten war und man unser Baby auch schon in der Früh nicht mehr hätten helfen können. Aber dieses Gefühl hatte ich ja auch von Anfang an. 

Ich wurde auf Station geschoben und hatte, zum Glück, ein Einzelzimmer. Von meinen Mann bekam ich die Nachricht, dass sie im Hotel, 2 Straßen weiter, eingecheckt haben und Leo zufrieden schläft. 

Nach der Nachuntersuchung am Vormittag und einer weiteren Blutabnahme , da sie der ersten nicht trauten, bzgl. HB (meinem Eisenwert ist es wohl völlig egal wieviel Blut ich irgendwo hinterlasse) durfte ich glücklicherweise abgeholt werden. Wir verbrachten noch eine Nacht in Rom und fuhren dann nach dem Frühstück nach Hause. 

Körperlich hatte ich Fieber, Schmerzen wegen dem Milcheinschuss und Krämpfe in den kompletten Beinen. Psychisch bin ich völlig am Ende und versuche mich vor Leo zusammenzureißen. Sobald er schläft oder ich das Zimmer kurz verlasse bin ich nur am Weinen. Meine Augen sehen dementsprechend aus, aber das wird wohl noch eine ganze Weile so gehen. 

Ich möchte nicht über das Krankenhaus schimpfen, aber trotzdem hätte ich mir eine Geburtszeit, ein Gewicht und eine ungefähre Lange von ihr gewünscht. Vielleicht so ein kleines Kärtchen worauf ihre Daten stehen und ein kleiner Fußabdruck. Aber das gibt’s da einfach nicht. Auf dem Entlassungszettel steht der 14. statt 15. drauf, da ich noch am 14. eingewiesen wurde. Mein Baby wurde aber am 15. geboren. Mir ist das wichtig und ich hoffe dass meine Frauenärztin das richtige Geburtsdatum in den Mutterpass eintragen kann, damit wir sie richtig in unser Stammbuch eintragen lassen können. 

Wer unsere Tochter gerne sehen möchte, kann ihren Namen als Passwort im nächsten Beitrag eingeben. 


Ich weiß nicht ob ich auf Fragen antworten möchte, daher verzeiht mir bitte falls keine Antwort kommt. 

Und dann weint man vor Glück 

Heute war ich wieder beim Frauenarzt. In der Früh war mir etwas mulmig zumute. Was ist wenn doch alles nur ein Traum war und er jetzt einfach wieder platzt? Wir können doch ohne Kampf keine Kinder bekommen. Das war doch so im letzten Jahrzehnt. 

Beim Frauenarzt angekommen durfte ich erstmal Pipi abgeben, Blutdruck messen und Fragen für den Mutterpass beantworten. Die waren sich wohl sicher dass alles gut ist. 

Und dann konnte ich zur Ärztin rein. Sie meinte ich wäre etwas blass um die Nase. Aber das war nur die Aufregung und die Anspannung.  Dann ging’s rauf auf die Liege und Sekunden später konnte ich tatsächlich ein zeitgerecht entwickeltes Baby mit Herzschlag sehen. Vor Freude musste ich losweinen und hatte Mühe damit aufzuhören. Es ist einfach unglaublich. Ein 6er mit Zusatzzahl. Einfach ein riesengroßes Wunderwunder. Wir werden wirklich nochmal Eltern. 

Und dann geschehen plötzlich Wunder

Wer uns länger schon verfolgt weiß dass unser Kinderwunschweg sehr lang und steinig war. 12 JahreKinderwunsch, davon fast 3 Jahre in Behandlung mit 10 ICSIs. Kein Zuckerschlecken und oft verdammt hart. Am Ende wurden wir tatsächlich mit unserem tollen Sohn belohnt. Und jeden Tag  sind wir so dankbar für dieses Wunder. Und trotz allem wünschten wir uns noch ein weiteres Kind. Ein drittes. Für uns stand fest dass wir Ende des Jahres wieder den Weg in die Kiwu gehen um mal unsere realistischen Chancen zu besprechen. Und ganz ehrlich, Hoffnung war zwar da, aber so einen ICSI Marathon können wir uns weder nochmal so einfach leisten, noch hab ich die Kraft dazu es wieder so oft durchzustehen. Und jetzt kommen wir zu den Wundern, die manchmal einfach so geschehen. Nachdem ich Leo komplettt abstillte (Ende März), kam dann auch ziemlich zügig die rote Tante daher und so kam es zu meinem ersten Zyklus nach der Schwangerschaft. Darüber habe ich mich tatsächlich etwas gefreut, da sich der Zyklus nun schön einpendeln kann und bis Ende des Jahres wohl bestimmt vernünftig für eine weitere Behandlung sein wird. Kurz nach meinem Eisprung fühlte ich mich etwas seltsam und hatte leichtes stechen im Unterleib. Aber wie es als Kinderwünschlerin so ist, alles nur Einbildung. Und da vor kurzem auf Instagram eine liebe Dame ein Wunder nach einer ICSI mit Zwillingen erleben durfte, dachte ich schon dass ich wieder voll im Kinderwunschwahnsinn drin bin und alles einbilde.  Komisch war nur dass ich nachts plötzlich wieder auf Toilette musste und das Parfum meines Mannes so stank. Als ich meinem Mann sagte dass ich denke schwanger zu sein, zeigte er mir so halb dem Vogel. Kann ja nicht sein, also nicht bei uns. Und schon gar nicht einfach so. Trotzdem bat ich ihn gestern, nach der Arbeit bitte einen Test mitzubringen. Tja, und dann erschien das unmögliche. Direkt nach durchlaufen erschien ein dickes fettes + auf dem Test. Ich musste tatsächlich nochmal in der Anleitung lesen ob plus auch schwanger heißt. Und ja, plus heißt schwanger. Irgendwie war es mir doch zu unsicher und ich düste nochmal zu rossmann um einen digitalen Test zu besorgen. Und auch da erschien nach kürzester Zeit ein wunderbares schwanger. Wir sind völlig aus dem Häuschen und können es kaum glauben. Aber es scheint tatsächlich so dass wir schwanger sind. Ganz ohne ICSI, einfach so.